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NEWS - AUSBILDUNG

Schweizer Archäologe entdeckt das älteste Grab eines Skythenfürsten



Bern (11.01.2018) -

Tief in einem Sumpf in der russischen Republik Tuwa hat der vom Schweizerischen Nationalfonds gefrderte Archologe Gino Caspari einen ungestrten skythischen Grabhgel entdeckt. Alles deutet darauf hin, dass es nicht nur das grsste, sondern auch das frheste skythische Frstengrab Sdsibiriens ist - und mglicherweise hervorragend konservierte Schtze birgt.

Den bislang wichtigsten Fund seiner Karriere machte Gino Caspari nicht mit der Schaufel, sondern am Rechner. Auf dem Computerbildschirm entdeckte der vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefrderte Archologe auf hochaufgelsten Satellitenbildern vom Tal des Flusses Uyuk (Sibirien) eine kreisrunde Struktur. Eine erste Probegrabung des Wissenschaftlers der Universitt Bern zusammen mit der Russischen Akademie der Wissenschaften und dem Eremitage Museum in diesem Sommer besttigte seine Vermutung: Es handelt sich um einen so genannten Kurgan, ein skythisches Frstengrab.

Blick auf die Anfnge

Mit seinem schweizerisch-russischen Team konnte er nachweisen, dass der Tunnug 1 oder auch Arschan 0 genannte Hgel in seinem Aufbau dem nur zehn Kilometer weiter nordstlich gelegenen Kurgan Arschan 1 gleicht, der in den 1970er Jahren ausgegraben wurde. Arschan 1 gilt bislang als das frheste skythische Frstengrab der Region, die wegen der Hufung von Kurganen auch das "sibirische Tal der Knige" genannt wird. Die frhesten Frstengrber bestehen aus einer Steinpackung, in der kreisfrmig Kammern angeordnet sind. Die Wnde der Kammern sind aus Lrchenstmmen gezimmert. Zu den typisch skythischen Grabbeigaben zhlen Waffen, Pferdegeschirr und Schmuck im so genannten Tierstil.

Holzbalken, die Caspari bei den Probegrabungen fand, datieren in das 9. Jahrhundert vor Christus. Damit sind sie lter als die Arschan 1, der um die Wende vom 9. zum 8. Jahrhundert entstand. "Wir haben hier eine riesige Chance", sagt Caspari erfreut ber die Ergebnisse der Probegrabung. Diese sind in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Archaeological Research in Asia verffentlicht (*).

"Seit den 1970er Jahren haben sich die archologischen Methoden enorm verfeinert. Wir haben heute ganz andere Mglichkeiten, das Material zu untersuchen und damit mehr ber den bergang von der spten Bronzezeit zur Eisenzeit zu lernen", sagt der vom SNF gefrderte Forscher. Der Blick auf die prhistorische Zeit werde durch Genetik, Isotopenanalyse, den geophysikalischen Methoden, aber auch im Bereich der geographischen Informationssysteme und der Fernerkundung radikal verndert.

Ein Schutzpanzer aus Eis

Der Grabhgel Arschan 0 liegt unzugnglich im Sumpf, was den Zugang auch fr Grabruber erschwert. "Der Kurgan liegt fnf beschwerliche Stunden mit dem Gelndefahrzeug von der nchsten Siedlung entfernt", sagt Caspari. Mglicherweise ist er ungestrt und birgt hnliche Schtze wie Arschan 2. Ein deutsches Archologenteam entdeckte in Arschan 2 zwischen 2001 und 2004 eine ungestrte Grabkammer mit der reichsten Bestattung, die je in der eurasischen Steppe gefunden wurde. Den zwei Toten in der Hauptkammer hatte man ber tausend Goldobjekte mit ins Grab gegeben, dazu prunkvoll verzierte Waffen, Gefsse und Pferde mitsamt kostbarer Geschirre. Allein der Halsreif des Skythenfrsten aus Arschan 2 wiegt zwei Kilogramm und ist aus massivem Gold. Doch die Bestattung datiert in das 7. Jahrhundert vor Christus und damit bereits weit in die Eisenzeit.

Auch die klimatischen Besonderheiten des sibirischen Bodens lassen Caspari hoffen. Der Permafrost beginnt im Uyuk-Tal meist erst einige Meter unter der Oberflche. Alles, was darber liegt, taut im Sommer auf, organisches Material verrottet. Unter der dichten Steinpackung der Kurgane aber knnen die Sonnenstrahlen den Boden nicht auftauen. "Selten entsteht direkt unter den Kurganen eine Eislinse", erklrt Caspari. Das Eis verhindert den Zerfall der organischen Stoffe und konserviert empfindliches Material. Der Ausgrber rechnet im Rahmen des Grabungsprojektes auf weitere Funde: "Wenn wir Glck haben, finden wir unter den Steinen vielleicht sogar gut erhaltene Holzschnitzereien, Teppiche oder eine Eismumie."

(*) G. Caspari et. Al: Tunnug 1 (Arzhan 0) - an early Scythian kurgan in Tuva Republic, Russia. Archaeological Research in Asia (2017). DOI: 10.1016/j.ara.2017.11.001. Open Access: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2352226717300600?via%3Dihub

Links
Downloadbild fr den redaktionellen Gebrauch: http://www.snf.ch/SiteCollectionImages/Medienmitteilungen/mm-180111-aeltestes-grab-eines-skythenfuersten.png

SNF Projekt "Zwischen Tianshan und Altai - Landschaftsarchologie im Dschungarischen Becken" in der SNF Forschungsdatenbank P3: http://p3.snf.ch/project-168315



Universitt Bern,
Dr. Gino Caspari


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